Die Arbeitswelt spricht von einem Paradigmenwechsel. Mit den Megatrends „New Work“ und „Arbeiten 4.0“ werden Veränderungen in Gang gesetzt, die sich in der unternehmerischen Struktur, in Prozessen und im täglichen Miteinander bemerkbar machen.
In der Folge beschäftigt sich jede noch so kleine Backstube mit neuartigen Arbeitsformen und Fragen nach Kultur und Agilität. Was genau ist aber „New Work“? Bedeutet „Arbeiten 4.0“ dasselbe? Trägt ein Tischkicker zum Kulturwechsel bei? Inwiefern spielen Digitalisierung, Vernetzung und andere technische Errungenschaften eine Rolle? Oder geht es doch eher um die Fragen nach Sinnstiftung, Selbstverwirklichung und Flexibilität? Sprechen wir von einem Trend oder von mehreren Trends, die sich überschneiden und womöglich gegenseitig beeinflussen?

Die Geschichte des modernen Arbeitens

Erstmals taucht der Begriff „New Work“ schon in den 80er Jahren auf, als sich der österreichisch-US-amerikanische Philosoph Frithjof Bergmann mit dem Kapitalismus beschäftigt und die Bewegung der „Neuen Arbeit“ als eine Art Gegenmodell entwickelt. Die zentralen Werte seiner Bewegung sind Selbständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Er sieht „New Work“ als die Chance der Menschheit, sich von der „Knechtschaft der Lohnarbeit“ zu befreien. Bergmanns Theorie beschreibt also eine bestimmte Art der Arbeit, eine Arbeit, die als sinnvoll erachtet wird. Menschen wollen diese Arbeit erledigen, denn sie ist ihnen nicht unangenehm, sondern ein Bedürfnis. Dieses Verständnis einer angenehmen, sinnstiftenden Arbeit wurde teilweise in die heutige, reale Arbeitswelt übertragen und zusätzlich durch technologische und ökonomische Entwicklungen beeinflusst.



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Der Einfluss von Medien auf modernes Arbeiten

Schaut man auf die Medienentwicklung der vergangenen Jahre, fällt schnell auf, dass diese seit den 90er Jahren exponentiell zugenommen hat. Während sich die LP, das Farbfernsehen, Kassetten und CDs über einen Zeitraum von gut 40 Jahren hinweg etabliert haben, sind Handy, PC, Internet und Tablet in nur wenigen Jahren aufeinander folgend erfunden, weiterentwickelt und in unseren Alltag integriert worden.

Software, Apps, neuartige Kommunikationstechniken, virtuelle Welten und das Internet der Dinge konnten vor allem deswegen entstehen, weil Digitalisierung und Virtualisierung immer radikaler in unsere Welt drängen und zur Veränderung von Geschäftsmodellen und damit auch der Arbeitswelt beitragen.

Arbeit macht für die Mehrheit der Menschen einen Großteil ihres Lebens aus. Gerade weil sich die Arbeitswelt stark verändert, bewegt viele die Frage nach der Zukunft von Arbeit. Einerseits geht es bei dieser Frage um die Arbeit im Allgemeinen, andererseits um die individuellen Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen im Speziellen.

Vor allem, wenn sich eine berufliche Situation verändert, wird die Frage nach der Zukunft der eigenen Arbeitswelt laut. Dabei kann eine Veränderung innerhalb eines bestehenden Arbeitsverhältnisses genauso zu der Frage führen, wie eine neue Herausforderung beim Wechsel des Arbeitgebers.

Bei der Debatte um die Zukunft von Arbeit tauchen immer wieder zwei Begrifflichkeiten auf, die diese Zukunft zwar losgelöst voneinander betrachten, aber ähnliche Fragen diskutieren und ähnliche Schlussfolgerungen daraus ableiten. Beide Ansätze entwickeln sich unabhängig voneinander, obwohl sie sich in weiten Teilen mit den gleichen Inhalten beschäftigen. Gemeint sind „New Work“ und „Arbeiten 4.0“. Worum geht es bei den zwei Ansätzen?

New Work

Portrait of young architects having discussion in office

New Work“ betrachtet vor allem Werte, Haltungen und Menschenbilder, um die Zukunft von Arbeit erfolgreich zu gestalten. Primär geht es um Sinnstiftung, Arbeiten auf Augenhöhe, den kulturellen Wandel und neue Führungskonzepte. Die Mitarbeiter als Motor einer Organisation stehen im Mittelpunkt sämtlicher Entscheidungen.

Unternehmen merken, dass sie mit veralteten und streng hierarchischen Strukturen in rasanten digitalen Zeiten nicht mehr vorankommen. „New Work“ geht davon aus, dass Menschen umso erfolgreicher sind, desto mehr sie hinter etwas stehen. Diese individuellen Interessen, die jeden Mitarbeiter antreiben besondere Leistungen zu erbringen, gilt es zu entwickeln und im besten Fall sinnvoll für das Unternehmen zu nutzen.

Alles dreht sich also darum, dass Mitarbeiter gerne zur Arbeit gehen und dass sie dort das tun können, was ihnen etwas bedeutet. Wenn sie tun, was sie wirklich, wirklich tun wollen, dann sind sie Mensch und keine Human Ressource mehr. Dies beschreibt die wichtigsten Grundgedanken von „New Work“.

Arbeiten 4.0

Bei der Debatte um den Begriff „Arbeiten 4.0“ geht es im Wesentlichen darum, wie Unternehmen auf die Veränderungen durch Digitalisierung, Virtualisierung und Technisierung reagieren können. Zusammengefasst unter dem Begriff „Industrie 4.0“ diskutieren Unternehmerverbände, das Bundesarbeitsministerium, Gewerkschaften und die Bundesagentur für Arbeit über Erscheinungen wie Digitalisierung, Globalisierung, Migration und den Wandel von Werten und Ansprüchen. In diesem Zusammenhang gehen Vertreter des Ansatzes davon aus, dass die daraus resultierenden Spannungsfelder mit neuen Formen der Arbeitszeitgestaltung und -flexibilisierung zu beantworten sind.

Grundsätzliche Ideen sind zum Beispiel eine flexible und selbstbestimmte Arbeitszeit, gute Arbeitsbedingungen, hohe Standards im Beschäftigtendatenschutz, ein Recht auf Weiterbildung, Mitbestimmung und Teilhabe am unternehmerischen Wandel und weiteren Kerngebieten der organisationalen Entwicklung.

New Work, Arbeiten 4.0, Technik und Technologie

Alle oben dargestellten Phänomene treten zufällig gleichzeitig auf und beeinflussen und fördern sich gegenseitig. Sehr wahrscheinlich führt erst das parallele Vorhandensein sämtlicher Perspektiven und Entwicklungen zu der uns bekannten Diskussion um die Arbeit der Zukunft.

Trotz aller Uneinheitlichkeit und dem Fehlen einer klaren Definition lassen sich unabhängig vom theoretischen Ansatz folgende Merkmale für das Arbeiten der Zukunft festhalten:
• Arbeiten soll Spaß machen und Erfüllung bieten
• Die Tätigkeit soll Sinn stiften, da Sinn zu Identifikation führt und Identifikation die Motivation stärkt
• Anpassung von Arbeitsorganisation und -struktur
• Schaffen einer angenehmen Arbeitsatmosphäre
• Abschaffen von unnötigen Hierarchien
• Arbeiten mit gegenseitigem Respekt und Wertschätzung
• Partizipation an Entscheidungen oder gar der Führung des Unternehmens
• Individuelle Kenntnisse werden gefördert und im Sinne des Unternehmens eingesetzt
• Angestellte müssen unterschiedliche Kenntnisse besitzen, da sie unterschiedliche Arbeitsbereiche ausfüllen

 

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New Work“ und auch „Arbeiten 4.0“ beschreiben eine grundlegende Transformation der Arbeitswelt, hervorgerufen oder zumindest begünstigt durch Digitalisierung, Konnektivität, Globalisierung und den demographischen Wandel.

6-Tage-Woche dank Digitalisierung - by ©baranq - stock.adobe.comBestimmte Berufe werden bald schon überflüssig sein, teilweise übernehmen automatisierte Prozesse oder Künstliche Intelligenzen schon heute die Aufgaben von Menschen.
Für einige ein Fluch, ist die Technologie für andere ein Segen. Der klassische „Nine-to-five“ Job gehört in vielen Unternehmen bereits heute der Vergangenheit an. Arbeitszeiten lassen sich flexibel gestalten und sind durch die Errungenschaften des Internet auch nicht mehr nur ausschließlich vom Büro aus zu erledigen. Die Arbeitswelt der Zukunft ist vor allem flexibel und projektbasiert. Die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit verwischen ebenso wie die zwischen den einzelnen Abteilungen eines Unternehmens. Sofern Wissen zur effektiven Umsetzung von Projekten notwendig ist, ist es unerheblich, von wo das Wissen kommt. Die Zusammenarbeit verlagert sich dabei zunehmend ins Virtuelle und Büroformen entwickeln sich hin zu Co-Working, Co-Spaces und Co-Places.

Feste Strukturen, Hierarchien und Fehlervermeidung sind in einer schnelllebigen, digitalen Welt eher hinderlich. Das bedeutet natürlich nicht, dass bei einer agilen Arbeitsweise nichts mehr geplant werden muss. Es bedeutet lediglich, dass Mitarbeiter Entscheidungen treffen dürfen, die in der schnellen Lösung von Problemen oder der agilen Umsetzung von Projekten hilfreich und zielführend sind. Jeder darf und soll Verantwortung übernehmen.

Die Digitalisierung unterstützt bei und erlöst uns von stupiden Routinetätigkeiten, verbessert die Kommunikation und fördert Kreativprozesse. Die Innovationsfähigkeit von Unternehmen verbessert sich exponentiell. Dürfen Mitarbeiter Arbeitsräume mitgestalten entsteht schnell ein motivierendes Wir-Gefühl und eine sehr agile Form der Zusammenarbeit. Führungskräfte sind in modernen Arbeitswelten mehr für ein erfolgreiches Beziehungsmanagement verantwortlich und geben mit Blick auf eine autonome Arbeitsweise gerne Verantwortung ab.

Arbeiten 4.0“ geht zwar weniger von einem Sinn oder einer persönlichen Verwirklichung aus, setzt aber mit Blick auf den technischen Fortschritt, ganz ähnliche Akzente. Das „Grünbuch Arbeit 4.0“ des Bundesarbeitsministeriums beschreibt am Beispiel eines LKW-Fahrers, welche Rahmenbedingungen für die Arbeit von Morgen gesetzt werden sollen. Das Beispiel zeigt deutlich, dass der digitale Wandel Einfluss auf sämtliche Bereiche unserer Arbeitswelt nimmt und weiter nehmen wird:

Sitzt der LKW-Fahrer von morgen noch am Steuer, oder sitzt er als Pilot im Führerhaus und überwacht lediglich die Arbeit elektronischer Instrumente? Hat er schon bald einen Arbeitsplatz im Logistikzentrum und kontrolliert aus der Ferne mehrere selbstfahrende LKW? Kann er das vielleicht auch von Zuhause aus erledigen? Hat er dabei mehr Freizeit als früher und kann gesünder leben, seine Familie häufiger sehen, sich die Arbeit mit seiner Frau teilen? Hat er noch einen Bezug zum Unternehmen? Kann er darin mitwirken und mitbestimmen? Hat er die Solidarität seiner Kolleginnen und Kollegen? Oder fühlt sich unser Fahrer überflüssig und findet keine Arbeit mehr?

Die Chance richtig nutzen

Noch sind „Arbeiten 4.0“ und „New Work“ Utopie. In Teilen jedoch finden sich beide Ansätze schon heute in der Realität wieder. Die fortschreitende Entwicklung wird mittelfristig dafür sorgen, dass weitere Grundsätze aus „New Work“ und „Arbeiten 4.0“ Einzug in unsere Arbeitswelt finden. Unternehmen, die es heute verpassen, sich mit diesem Trend zu beschäftigen, werden in Zukunft nicht mehr genug Zeit dafür haben. Weder, um sich mit dem Thema inhaltlich auseinanderzusetzen, noch um mit den agilen Arbeitsformen der Konkurrenz Schritt zu halten.

Wenn das Bewusstsein für die nötigen Veränderungen erst einmal da ist, verändert sich meist noch viel mehr – nicht nur in den Köpfen der Mitarbeiter, vor allem auch in der Gestaltung von Prozessen, Strukturen und Arbeitsplätzen.

Vielleicht führt dieses neue Arbeiten im ersten Schritt zu Ablehnung und Unsicherheit, da die Übernahme von mehr Verantwortung zunächst im Kopf bewältigt und Ängste abgebaut werden müssen. Oft steckt eine jahrelange Konditionierung hinter erlerntem Verhalten. Eine Veränderung benötigt Zeit.
In Anlehnung an das neue Denken und Arbeiten werden sich auch die räumlichen Gegebenheiten anpassen müssen. Im Büro der Zukunft gestalten sich Büros offener und Arbeitsplätze können flexibel und unabhängig von Personen, Räumlichkeiten, Strom und Internetanschluss genutzt werden.

Das „Clean Desk“ Prinzip sichert nicht mehr nur den ordentlichen Umgang mit empfindliche Kundendaten, sondern macht den täglichen Wechsel von Arbeitsplätzen je nach Anforderung im Projekt möglich. Inzwischen gibt es Schreibtisch-Lösungen, die losgelöst von Räumen und Verkabelungen den Ort wechseln können. Unter dem Motto „Vernetzen statt Verkabeln“ sind nicht nur Personen flexibel, auch Arbeitsplätze selbst können variabel (zum Beispiel draußen auf der Agenturterrasse) eingesetzt werden.

spirierende Umgebungen fördern den kreativen Austausch. Es gibt ebenso Möglichkeiten des Rückzugs wie sich Raum für Gemeinschaft findet. „New Work“ Unternehmen sind stets um ergonomische und akustisch optimierte Arbeitswelten bemüht, die Motivation, Gesundheit und Arbeitsklima positiv zu beeinflussen. Dabei liegt es im Ermessen der Gemeinschaft, ob ein Tischkicker die Atmosphäre verbessert, ob Obst und kostenfreie Getränke zur Verfügung gestellt werden, oder ob andere Ideen das Arbeitsklima nachhaltig verbessern. Modernes Arbeiten bleibt also in weiten Teilen auch individuell, denn am Ende ist kein Unternehmen wie das andere und auch Teams haben individuelle Bedürfnisse, um erfolgreich zu zusammenzuarbeiten.

Gastartikel: Febrü Büromöbel Produktions- & Vertriebs GmbH

Bildquellen: ©nd3000 / stock.adobe.com
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Febrü Büromöbel Produktions- & Vertriebs GmbH

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